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1. Abo-Konzert:
Die namenlose Stadt

Basel, Neubau Kunstmuseum So 17. September 2017, 19 UHR

Kaija Saariaho *1952

Verblendungen (1984)

Cécile Marti *1975

Seven Towers, Nr. 6 (2015)

Fausto Romitelli 1963–2004 Schweizer Erstaufführung

The Nameless City (1997)

Roman Haubenstock-Ramati 1919–1994 Schweizer Erstaufführung

Vermutungen über ein dunkles Haus (1963)

Baldur Brönnimann Dirigent

Baldur Brönnimann ist einer der führenden Dirigenten für zeitgenössische Musik. In Basel geboren und in Pratteln aufgewachsen, studierte er zunächst an der Musikakademie der Stadt Basel und anschliessend am Royal Northern College of Music in Manchester, wo er nach seinem Studienabschluss als Lehrbeauftragter für Dirigieren tätig war.

 

Baldur Brönnimann wird weltweit als sehr flexibler Dirigent mit aufgeschlossenem Ansatz und einer besonderen Affinität für die komplexesten zeitgenössischen Partituren geschätzt. Aufgrund seiner grossen Offenheit ist er weltweit sowohl im Konzertsaal wie auch im Opernhaus sehr gefragt.

 

Seit September 2016 ist Baldur Brönnimann Principal Conductor der Basel Sinfonietta – und damit der erste Dirigent überhaupt, den das sich selbst verwaltende Orchester für eine kontinuierliche Zusammenarbeit engagiert hat. Sein Debut mit der Basel Sinfonietta gab er im Januar 2016.

 

Neben einer regelmässigen Zusammenarbeit mit den führenden Ensembles für zeitgenössische Musik wie dem Klangforum Wien oder dem Ensemble Intercontemporain ist Baldur Brönnimann eng mit dem Teatro Colón in Buenos Aires verbunden, für welches er regelmässig Neuproduktionen zeitgenössischer Opern erarbeitet.

 

Seit Januar 2015 ist er zudem Chefdirigent des Orquestra Sinfónica do Porto Casa da Música. Dort etablierte er aussergewöhnliche Konzertprogramme, die überraschende Verbindungen zwischen dem Standardrepertoire und unbekannten oder zeitgenössischen Werken herstellen.

 

Von 2011 bis 2015 war Brönnimann künstlerischer Leiter von BIT20, dem führenden Ensemble für zeitgenössische Musik in Norwegen. Zudem stand er von 2008 bis 2012 dem National Symphony Orchestra of Colombia in Bogotá als musikalischer Leiter vor.

 

Zu den Höhepunkten von Brönnimanns Saison 2017/18 zählen mehrere bedeutende Debuts. In den USA dirigiert er im New Yorker Lincoln Center im Rahmen des Mostly Mozart Festival «Dark Mirror», Hans Zenders orchestrale Bearbeitung von Schuberts Winterreise mit dem Sänger Ian Bostridge, zudem gastiert er erstmals beim Oregon Symphony Orchestra. In Europa debütiert Brönnimann mit dem hr-Sinfonieorchester/Frankfurt Radio Symphony an den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik in Darmstadt, mit dem WDR Sinfonieorchester in einem Programm zur Feier von Bernd Alois Zimmermanns 100. Geburtstag, zudem u.a. mit dem Estonian National Symphony und dem Orchestre National de Lyon.

 

Baldur Brönnimann arbeitet regelmässig mit den führenden zeitgenössischen Komponisten wie John Adams, Kaija Saariaho, Harrison Birtwistle, Chin Un-suk, Helmut Lachenmann, Magnus Lindberg oder Georg Friedrich Haas zusammen und hat massgebende Aufführungen der Werke von György Ligeti, Fausto Romitelli, Pierre Boulez, Claude Vivier oder Bernd Alois Zimmermann geleitet – vor Kurzem etwa an den BBC Proms oder im Wiener Konzerthaus.

 

Auch wenn zeitgenössische Musik eine wesentliche Rolle in Brönnimanns Arbeit spielt, ist er heute für das Repertoire der klassischen Musik ebenso gefragt und dirigierte in jüngster Zeit weltweit ein hochkarätiges Repertoire mit Orchestern wie dem Helsinki Philharmonic, dem Brussels Philharmonic, dem Orchestre National de Bordeaux oder dem Bergen Philharmonic.

 

Höhepunkte von Spielzeiten der jüngeren Vergangenheit waren u.a. Projekte mit dem Oslo Philharmonic, dem Royal Stockholm Philharmonic, dem Philharmonia Orchestra, dem BBC Symphony, dem Seoul Philharmonic, dem Orchestre Philharmonique de Strasbourg und dem Bergen Philharmonic sowie Debuts beim ORF Radio-Symphonieorchester Wien, beim Danish National Symphony, beim Aurora Orchestra sowie beim Münchener Kammerorchester.

 

Zu den Höhepunkten von Brönnimanns Opernkarriere zählen seine Zusammenarbeit mit La Fura dels Baus an Ligetis «Le Grand Macabre» an der English National Opera und dem Teatro Colón in Buenos Aires; Adams‘ «The Death of Klinghoffer» an der English National Opera; Saariahos «L’amour de loin» an der Norwegian Opera und dem internationalen Festival in Bergen sowie Romitellis «Index of Metals» mit Barbara Hannigan im Theater an der Wien. Im Teatro Colón dirigierte er Schönbergs «Erwartung», Szymanowskis «Hagith» und Lachenmanns «The Little Match Girl» mit dem Komponisten als Sprecher, sowie Zimmermanns «Soldaten».

 

Baldur Brönnimann lebt mit seiner Familie in Madrid.
 

Folgen Sie uns in die namenlose Stadt. Lassen Sie sich bannen von den «Verblendungen» der finnischen Komponistin Kaija Saariaho, einem Wechselspiel zwischen Orchester und Tonband.

 

Steigen Sie auf einen Turm! Klangmächtig streben sie gegen den Himmel, die sieben tönenden Türme, welche die Zürcher Komponistin Cécile Marti in ihrem von den Luzerner Museggtürmen inspirierten Werk «Seven Towers» heraufbeschwört (wir spielen die Nummer 6 aus diesem Werk).

 

Geben Sie sich Vermutungen über ein dunkles Haus hin! Häuser stehen nicht selten für das Unheimliche, zumindest die Ambivalenz von trautem Heim und nicht recht Geheurem, ja von Geborgenheit und unentrinnbarer Horror-Höhle. «Vermutungen über ein dunkles Haus» hiess die Komposition für drei Orchester (zwei davon ertönen von einem vorher zu produzierenden Tonband), mit denen der polnische Komponist Roman Haubenstock-Ramati 1964 in Donaueschingen erahnen liess, wie er Stockhausens Prinzip der Mehrschichtigkeit in eine Oper zu übertragen versuchte.

 

Und wagen Sie sich schliesslich in die namenlose Stadt! Die Stadt, die der italienische Komponist Fausto Romitelli 1997 in seinem Stück «The Nameless City» beschwört, ist keineswegs Abbild eines lebendigen, diversen Grossstadtdschungels, wie man vielleicht erwarten möchte. Im Gegenteil: Klangbild und Formverlauf evozieren eher die Vorstellung eines desolaten, leblosen Ortes. Und das hat natürlich mit der gleichnamigen Kurzgeschichte von H. P. Lovecraft zu tun, auf die Romitelli anspielt.

 

Seien Sie mutig! Wir bringen Sie sicher wieder zurück …

 

Mit Einführungen zu den einzelnen Werken im Verlauf des Konzerts

 

Eine Kooperation mit dem Elektronischen Studio Basel (Aufnahmen Haubenstock-Ramati/Klangregie: Florian Röhrl & Clemens Fiechter)

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Im Rahmen von ZeitRäume Basel 2017 – Biennale für Neue Musik und Architektur