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2. Abo-Konzert:
Die Wände haben Ohren

Dornach, Goetheanum So 12. November 2017, 19 UHR

Georges Aperghis Schweizer Erstaufführung

Die Wände haben Ohren (1972)

Nikos Skalkottas Schweizer Erstaufführung

Ouvertüre zu "Die Rückkehr des Odysseus" (1949)

Alexander Scriabin

Prometheus - Poème du feu (1909/10)

Baldur Brönnimann Dirigent

Baldur Brönnimann ist einer der führenden Dirigenten für zeitgenössische Musik. In Basel geboren und in Pratteln aufgewachsen, studierte er zunächst an der Musikakademie der Stadt Basel und anschliessend am Royal Northern College of Music in Manchester, wo er nach seinem Studienabschluss als Lehrbeauftragter für Dirigieren tätig war.

 

Baldur Brönnimann wird weltweit als sehr flexibler Dirigent mit aufgeschlossenem Ansatz und einer besonderen Affinität für die komplexesten zeitgenössischen Partituren geschätzt. Aufgrund seiner grossen Offenheit ist er weltweit sowohl im Konzertsaal wie auch im Opernhaus sehr gefragt.

 

Seit September 2016 ist Baldur Brönnimann Principal Conductor der Basel Sinfonietta – und damit der erste Dirigent überhaupt, den das sich selbst verwaltende Orchester für eine kontinuierliche Zusammenarbeit engagiert hat. Sein Debut mit der Basel Sinfonietta gab er im Januar 2016.

 

Neben einer regelmässigen Zusammenarbeit mit den führenden Ensembles für zeitgenössische Musik wie dem Klangforum Wien oder dem Ensemble Intercontemporain ist Baldur Brönnimann eng mit dem Teatro Colón in Buenos Aires verbunden, für welches er regelmässig Neuproduktionen zeitgenössischer Opern erarbeitet.

 

Seit Januar 2015 ist er zudem Chefdirigent des Orquestra Sinfónica do Porto Casa da Música. Dort etablierte er aussergewöhnliche Konzertprogramme, die überraschende Verbindungen zwischen dem Standardrepertoire und unbekannten oder zeitgenössischen Werken herstellen.

 

Von 2011 bis 2015 war Brönnimann künstlerischer Leiter von BIT20, dem führenden Ensemble für zeitgenössische Musik in Norwegen. Zudem stand er von 2008 bis 2012 dem National Symphony Orchestra of Colombia in Bogotá als musikalischer Leiter vor.

 

Zu den Höhepunkten von Brönnimanns Saison 2017/18 zählen mehrere bedeutende Debuts. In den USA dirigiert er im New Yorker Lincoln Center im Rahmen des Mostly Mozart Festival «Dark Mirror», Hans Zenders orchestrale Bearbeitung von Schuberts Winterreise mit dem Sänger Ian Bostridge, zudem gastiert er erstmals beim Oregon Symphony Orchestra. In Europa debütiert Brönnimann mit dem hr-Sinfonieorchester/Frankfurt Radio Symphony an den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik in Darmstadt, mit dem WDR Sinfonieorchester in einem Programm zur Feier von Bernd Alois Zimmermanns 100. Geburtstag, zudem u.a. mit dem Estonian National Symphony und dem Orchestre National de Lyon.

 

Baldur Brönnimann arbeitet regelmässig mit den führenden zeitgenössischen Komponisten wie John Adams, Kaija Saariaho, Harrison Birtwistle, Chin Un-suk, Helmut Lachenmann, Magnus Lindberg oder Georg Friedrich Haas zusammen und hat massgebende Aufführungen der Werke von György Ligeti, Fausto Romitelli, Pierre Boulez, Claude Vivier oder Bernd Alois Zimmermann geleitet – vor Kurzem etwa an den BBC Proms oder im Wiener Konzerthaus.

 

Auch wenn zeitgenössische Musik eine wesentliche Rolle in Brönnimanns Arbeit spielt, ist er heute für das Repertoire der klassischen Musik ebenso gefragt und dirigierte in jüngster Zeit weltweit ein hochkarätiges Repertoire mit Orchestern wie dem Helsinki Philharmonic, dem Brussels Philharmonic, dem Orchestre National de Bordeaux oder dem Bergen Philharmonic.

 

Höhepunkte von Spielzeiten der jüngeren Vergangenheit waren u.a. Projekte mit dem Oslo Philharmonic, dem Royal Stockholm Philharmonic, dem Philharmonia Orchestra, dem BBC Symphony, dem Seoul Philharmonic, dem Orchestre Philharmonique de Strasbourg und dem Bergen Philharmonic sowie Debuts beim ORF Radio-Symphonieorchester Wien, beim Danish National Symphony, beim Aurora Orchestra sowie beim Münchener Kammerorchester.

 

Zu den Höhepunkten von Brönnimanns Opernkarriere zählen seine Zusammenarbeit mit La Fura dels Baus an Ligetis «Le Grand Macabre» an der English National Opera und dem Teatro Colón in Buenos Aires; Adams‘ «The Death of Klinghoffer» an der English National Opera; Saariahos «L’amour de loin» an der Norwegian Opera und dem internationalen Festival in Bergen sowie Romitellis «Index of Metals» mit Barbara Hannigan im Theater an der Wien. Im Teatro Colón dirigierte er Schönbergs «Erwartung», Szymanowskis «Hagith» und Lachenmanns «The Little Match Girl» mit dem Komponisten als Sprecher, sowie Zimmermanns «Soldaten».

 

Baldur Brönnimann lebt mit seiner Familie in Madrid.
 

Stefan Wirth Klavier

Der Komponist und Pianist Stefan Wirth gehört zu den vielseitigsten Musikern seiner Generation. Er ist als Pianist zeitgenössischer Musik sehr aktiv und spielt als festes Mitglied im Collegium Novum Zürich sowie im Genfer Ensemble Contrechamps.

 

Zu seinen wichtigsten Lehrern zählen Hadassa Schwimmer am Konservatorium Zürich, Stephen Drury am New England Conservatory, Boston (USA) und Leonard Hokanson an der Indiana University Bloomington (USA). Seine kompositorische Ausbildung erhielt er vornehmlich in den USA, wo er u.a. bei Michael Gandolfi und P.Q. Phan studierte.

 

Stefan Wirth hat verschiedentlich mit Heinz Holliger zusammengearbeitet. Im Jahr 2013 erarbeitete er mit Pierre Boulez dessen zweite Klaviersonate. Auch ist Stefan Wirth Mitglied der Vier-Flügel-Formation «Gershwin Piano Quartet», mit der er auf bedeutenden Festivals konzertiert. Ausserdem ist er als Pianist, Komponist und Arrangeur für verschiedene Musiktheater-Produktionen mit Regisseuren wie Christoph Marthaler und Frank Castorf tätig.

 

Kompositionsaufträge erhielt Stefan Wirth u.a. vom Münchener Kammerorchester, vom Deutschlandfunk, der Ruhrtriennale oder vom Lucerne Festival. Seine Werke wurden dreimal in die «Grammont Sélection» aufgenommen, auf der jeweils die besten Schweizer Uraufführungen eines Jahres vereinigt werden. 

Unser Saisonthema «Fluss» weist auch zurück in die griechische Antike (panta rhei). Im Rahmen von CULTURESCAPES Griechenland wählen wir im Grossen Saal des Goetheanums in Dornach zwei Zugänge zum Griechischen: griechische Komponisten und griechische Mythologie.

 

Die Schnittmenge dieser beiden Aspekte bildet Nikos Skalkottas’ Ouvertüre «Die Rückkehr des Odysseus» (aufgrund ihrer fast halbstündigen Dauer eigentlich mehr ein sinfonische Dichtung) aus dem Jahr 1942, ein dramatisches und ernstes Werk im post-Schönberg’schen Stil – und: tatsächlich eine Schweizer Erstaufführung!

 

Der 1904 in Chalkida geborene (und bereits 1949 verstorbene) Skalkottas schuf zwischen 1935 und 1945 ein immenses Oeuvre von zunehmender struktureller Komplexität und architektonischer Meisterschaft, das in Werken wie der ursprünglich als Opernvorspiel geplanten Odysseus-Sinfonie einen seiner Höhepunkte fand.

 

In das Konzert hinein führt ein Werk des 1945 in Athen geborenen und seit 1963 in Paris ansässigen Georges Aperghis mit dem sprechenden Titel «Die Wände haben Ohren» (ebenfalls eine Schweizer Erstaufführung!). Aperghis ist als experimenteller Komponist von Vokalmusik und Opern seit langem ein bekannter Name in der Szene der zeitgenössischen Musik.

 

Im Programm eines Griechenland gewidmeten Festivals darf die Figur des rebellischen Prometheus, der als Feuerbringer die Menschen von den Göttern emanzipiert hat, nicht fehlen. Alexander Scriabins sinfonische Dichtung «Gedicht vom Feuer» zu Ehren Prometheus (Prométhée – Le Poème du feu) ist ein Opus für Orchester, Klavier und optionalen Chor, in welchem ein «Farbenklavier» eine zusätzliche Wahrnehmungsebene zu den akustischen Klängen eröffnet.

 

Der 1871 in Moskau geborene (und 1915 ebenda verstorbene) Musikmagier verfolgte mit diesem Werk, stilistisch zwischen Spätromantik, Impressionismus und früher Moderne angesiedelt, bahnbrechende Pläne. Lichteffekte sollten bei den Aufführungen des Werks eingesetzt werden. Da Scriabin als Synästhetiker Töne als Farben sah, schrieb er in die Partitur eine Stimme für ein Farbenklavier, dessen Bedienung den Grossen Saal des Goetheanums in wechselnde Farben tauchen wird.

 

Nicht nur die Wände werden auf dieser Reise durch musikalische und mythologische Sphären Griechenlands grosse Ohren machen.

Im Rahmen von CULTURESCAPES Griechenland 2017